Der Cruasán (oder Croissant) ist eines der weltweit beliebtesten Gebäckstücke: dieses blättrige, knusprige Hörnchen aus Plunderteig, das außen knusprig und innen weich ist und die Form einer zunehmenden Mondsichel hat. Der ursprüngliche Name auf Französisch ist croissant (ausgesprochen ungefähr [kʁwa'sɑ̃], mit einer gerollten französischen „r“ und nasaler Vokalfärbung), was wörtlich „zunehmend“ oder „Mondsichel“ bedeutet.
Wenn dieses Gebäck in die spanischsprachige Welt kam (vor allem nach Spanien im 20. Jahrhundert), machte die spanische Sprache das, was sie seit Jahrhunderten mit Tausenden von Fremdwörtern tut: sie passt es an – an ihre eigene Aussprache, Schreibweise und Grammatikregeln. So entstand cruasán.
Die Real Academia Española (RAE) und die FundéuRAE sind sich seit Jahren einig:
cruasán (Singular) und cruasanes (Plural) ist die empfohlene und bevorzugte Form im Spanischen.
Sie steht im Diccionario de la lengua española (DLE) und im Diccionario panhispánico de dudas (DPD) als offizielle grafische Anpassung des französischen Galizismus croissant.
Die wichtigsten Gründe, warum „cruasán“ im Spanischen wichtig ist
Es spiegelt die echte spanische Aussprache wider
Wenn ein Muttersprachler des Spanischen das französische Wort sagt, spricht er keine gerollte „r“ und keinen nasalen französischen Vokal aus. Es klingt stattdessen sehr nah an „cruasán“ (mit starkem „cr“, Diphthong „ua“ wie in „cuatro“ und Betonung auf der letzten Silbe).
Croissant zu schreiben zwingt zu einer französischen Aussprache, die im Spanischen unnatürlich ist. Cruasán ist dagegen treu zu dem, wie wir es wirklich sagen: [krua'san].Es erlaubt eine normale, kohärente spanische Wortbildung
Das Spanische hat klare Regeln für Plural und Ableitungen:Regelmäßiger Plural: cruasanes (nicht „croissants“ oder seltsame Formen).
Natürliche Ableitungen: cruasantería (die Bäckerei oder Spezialitätengeschäft für Cruasanes).
→ Das häufige Hybrid croissantería (auf vielen Schildern zu sehen) wird von der RAE abgelehnt, weil es Französisch und Spanisch unsauber mischt.
Das rohe Fremdwort macht die Grammatik kompliziert und bricht die innere Logik der Sprache.Es folgt der jahrhundertealten Tradition der Anpassung im Spanischen
Das Spanische hat Fremdwörter aus aller Welt übernommen und fast immer angepasst:
fútbol (aus football)
chófer (aus chauffeur)
espagueti (aus spaghetti)
whisky → güisqui oder wiski (neuere Anpassungen)
sándwich (aus sandwich)
Croissant → cruasán anzupassen ist konsequent mit dieser Tradition. Ständig rohe Fremdwörter zu verwenden (ohne Kursiv oder Anführungszeichen) schwächt die Einheit und den Reichtum der Sprache.
Es vermeidet gängige Fehler und abgelehnte Formen
curasán (sehr häufig im Alltag) wird abgeraten, weil es weder die französische Aussprache noch die offizielle Anpassung richtig trifft. Die RAE korrigiert es explizit: nicht curasán, sondern cruasán.
Andere Varianten wie croasán, crusán oder croisant (mit nur einer „s“) sind ebenfalls falsch.
Das rohe Fremdwort ist erlaubt… aber mit Bedingungen
Die RAE akzeptiert croissant als Galizismus (unangepasstes Lehnwort), empfiehlt jedoch:Immer mit doppelter „s“ schreiben: croissant (nie croisant).
Es in Kursiv oder Anführungszeichen setzen, um zu zeigen, dass es fremd ist.
Es nur verwenden, wenn wirklich nötig (z. B. in sehr französischen oder internationalen Kontexten).
Im Alltag (Zeitungen, Menüs, Gespräche, Bücher) ist cruasán die natürliche und bevorzugte Wahl.
Historische und kulturelle Kuriositäten
Der wahre Ursprung: Obwohl es mit Frankreich assoziiert wird, hat der Cruasán österreichische Wurzeln. Der Vorläufer ist das Kipferl (ein Hörnchen aus dem 13. Jahrhundert). 1683, nach dem Sieg Wiens gegen die Osmanen, backten die Wiener Bäcker eine Version in Form einer Mondsichel (Symbol der Osmanen). Im 19. Jahrhundert brachte der Wiener Bäcker August Zang die Idee nach Frankreich, wo man den Teig mit französischer Blätterteigtechnik verfeinerte. Der moderne Croissant ist also ein austro-französischer Hybrid!
Regionale Namen im spanischsprachigen Raum:
Medialuna (Argentinien, Uruguay – der häufigste Name).
Cachitos (Venezuela).
Cuernitos oder cangrejitos (einige Länder Mittelamerikas und der Karibik).
In Spanien und großen Teilen Lateinamerikas: cruasán oder croissant.
Fazit: Warum lohnt es sich, „cruasán“ zu sagen?
Cruasán zu sagen und zu schreiben ist keine Pedanterie oder übertriebener Purismus. Es ist eine einfache, elegante Art,
die Regeln und Logik des Spanischen zu respektieren,
die Sprache kohärenter, reicher und leichter nutzbar zu machen,
das Fremde zu integrieren, ohne die eigene Identität zu verlieren,
hässliche Hybride und Rechtschreibfehler zu vermeiden.
Beim nächsten Mal in der Bäckerei oder im Café sag einfach selbstbewusst:
„Me pone un cruasán (o dos cruasanes), por favor“. ¡Tu español (y tu desayuno) te lo agradecerán!
